Sonntag, 22. Februar 2015

Ein Sixpack für alle Fälle

Bei Abercrombie and Fitch werden die Models danach gecastet und es ist das ultimative Symbol für einen fitten Körper: Das Sixpack. Viele mühen sich täglich mit endlosen Wiederholungen von Bauchmuskeltraining ab, um es zu erlangen. Doch was ist wirklich dran und wie erstrebenswert ist es?

Beim Sixpack sieht man die geraden Bauchmuskeln unter der Haut. Unterteilt sind diese von den Zwischensehnen. Von diesen Zwischensehnen besitzen wir Menschen null bis vier, das heißt manche Menschen können anatomisch gesehen gar kein Sixpack haben, während andere sogar ein so genanntes Tenpack haben können. Um ein Sixpack zu haben, muss man zunächst alle Bauchmuskeln trainieren, dass heißt nicht nur die geraden, sondern auch die schrägen und seitlichen. Aber intensives Bauchmuskeltraining reicht eben nicht, denn um die Bauchmuskeln sichtbar zu machen, muss auch noch der Körperfettanteil (KFA) gesenkt werden. Meistens spricht man davon, dass für ein Sixpack ein KFA von nur 12% nötig ist. Für junge Männer liegt das noch im unteren Normalbereich, für Frauen ist das jedoch schon zu wenig! Für sie ist ein KFA von 21-33% normal!

Wie also kann man seinen Körper dazu bringen, ein Sixpack zum Hervorscheinen zu bringen? Crunches und co. bringen eher wenig, denn die Bauchmuskeln sind nur eine vergleichsweise kleine Muskelgruppe. Stattdessen sind Cardio und intensives Ganzkörperkrafttraining gefragt. Cardio verbrennt Fett sofort. Ganzkörperkrafttraining lässt den Muskelanteil im Körper steigen und damit auch den Grundumsatz, denn Muskeln verbrennen auch im Ruhezustand Energie. Noch dazu muss man beim Ganzkörperkrafttraining für die korrekte Ausführung ohnehin ständig seine Bauchmuskeln benutzen - also kann man sich ein isoliertes Training schon fast sparen.
Außerdem spielt die Ernährung eine wesentliche Rolle - abs are made in the kitchen, wie es so schön heißt. Viel Eiweiß und Gemüse sorgen dafür, dass der KFA gesenkt wird und mehr Muskeln aufgebaut werden. Mit viel Geduld, Disziplin und hartem Training kann so ein Sixpack zum Vorschein kommen.
Aber ist das wirklich erstrebenswert? Derek Flanzraich von Greatist machte 2012 ein Experiment: Sixpack in six weeks. Natürlich ist dieses Experiment allein deshalb schon extrem, weil er in so kurzer Zeit ein Sixpack wollte und seinem Körper deshalb so viel zugemutet hat. Aber viel interessanter ist sein Rückblick ein Jahr später (dort gelangt ihr auch zu den restlichen Artikeln aus der Serie). Sein Fazit: Er hat mehr Probleme mit der Selbstdisziplin als vorher, sieht Essen als Belohnung und hat ein verfälschtes Körperbild. Ist es das wirklich wert?
Ohne Zweifel könnte jeder von uns es zum Sixpack schaffen. Aber ich lehne mich wohl nicht zu weit aus dem Fenster, wenn ich sage, dass 90% von uns das nicht halten könnten. Und dann? Bin ich als Mensch weniger wert, weil ich kein Sixpack mehr habe? Was sagt es über mich aus, wenn ich eins habe? Klar, ein Sixpack ist in einem gewissen Sinne ein sportlicher Erfolg. Aber gibt es nicht viel einfachere, gesündere Wege (gerade für uns Frauen, s.o.), unsere sportlichen Erfolge zu messen? Ein Lauf mit einer neuen Bestzeit? Ein neues Höchstgewicht auf der Hantel? Ein Kompliment von jemandem? Das T-shirt, das wie angegossen sitzt?
Ich will nicht lügen und behaupten, ich hätte nicht gern ein Sixpack. Ich finde das durchaus ästhetisch (bei beiden Geschlechtern) und würde mich darüber freuen, insbesondere weil mein Bauch meine persönliche Problemzone ist. Aber ich arbeite nicht aktiv darauf hin. Denn es gibt so viel mehr, an dem ich mich messen kann, was mich viel mehr erfüllt als eine Reihe Bauchmuskeln.

Bildquellen: england_is_great, Benjamin Klack, JMG  / pixelio.de

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