Sonntag, 15. Februar 2015

Von Bananen, Mangos und komischen Zahlen

Sie posten Fotos von 1 Liter Obstsmoothie, riesigen Fruchtplatten oder gigantischen Portionen Nudeln, Reis oder Kartoffeln. Sie kaufen Kistenweise Bananen und kriegen sich nicht ein, obwohl sie nur ein paar Mangos gekauft haben. Und sie werfen immer wieder mit einer merkwürdigen Zahlenkombination herum: 80/10/10. Doch was steht überhaupt dahinter?

Was ist 80/10/10?

80/10/10 steht für das Verhältnis der Makronährstoffe. Menschen, die sich nach diesem Prinzip ernähren, nehmen 80% ihrer täglichen Kalorien durch Kohlenhydrate und jeweils 10% der täglichen Kalorien durch Eiweiß und Fett zu sich. Der Ansatz dieser Theorie ist, dass der Mensch sich als Jäger und Sammler keineswegs von Tieren ernährt hat, sondern vor allem von Pflanzen, Obst und Gemüse. Die vielen Kohlenhydrate können vom Körper besser verdaut werden.
Kombiniert wird 80/10/10 meistens mit Rohkost oder mit "Raw till four" - dabei ernährt man sich bis 16 Uhr von rohem Obst und nimmt dann abends ein möglichst kohlenhydratreiches Abendessen (Nudeln, Reis, Kartoffeln, Couscous usw.) zu sich.

Vorteile? Nachteile?

Viele Highcarber führen an, dass sie mit 80/10/10 abnehmen können und beste Ergebnisse erzielen. Dies klingt insofern logisch, als dass die Highcarber auf Produkte mit Weißmehl und Industriezucker verzichten und Fett vermeiden (ich bin zwar nicht für lowfat, aber viele konsumieren zu viel ungesundes Fett). Viele berichten außerdem von besserer Leistung beim Sport, mehr Energie insgesamt und besserer Laune. Auch für die Verdauung soll 80/10/10 gut sein.
Auf der anderen Seite gibt es auch viele, die mittlerwiele von 80/10/10 abraten. Wenn ihr die ausführlichen Begründungen wollt, lege ich euch Silkes Blog sehr ans Herz, ich fasse hier nur kurz zusammen: Obstrohkost kann die Verdauung insofern schädigen, als dass überhaupt kein Fett mehr abgebaut werden kann. Bei billigem Obst von schlechter Qualität kann es den Zahnschmelz irreparabel schädigen. Und wer nicht täglich viel Salat bzw. leafy greens, wie die Amerikaner so schön sagen, zu sich nimmt, riskiert, dass die Versorgung mit Mineralien unterschritten wird.

Und die Moral von der Geschicht?

Vorweg: Ich möchte niemanden, der von 80/10/10 überzeugt ist angreifen oder umstimmen, das schaffe ich wahrscheinlich auch gar nicht. Mir gefällt der Ansatz, nur zu essen, was die Natur uns gibt und ich bin definitiv keine Verfechterin davon, dass tierische Produkte zu einer gesunden Ernährung dazu gehören müssen. Aber das Problem bei Highcarb ist der hohe Fructose-Anteil der Nahrung. Fructose wird anders verstoffwechselt als die Glucose, in die z.B. Stärke aufgespalten wird. Fructose, die nicht benötigt wird, wird entweder als Fett gespeichert oder vergärt im Darm und verursacht Blähungen. Außerdem löst Fructose kein Sättigungsgefühl aus, wesewegen man zwar viel davon essen kann, sich aber danach vom Magen her voll, aber nicht satt fühlt. Ich verurteile niemanden, der Banana-Island probiert (man ernährt sich 3-5 Tage lang nur von Bananen), um der Verdauung Zeit zur Ruhe und Erholung zu gönnen. Aber eine Ernährung, die fast ausschließlich über Kohlenhydrate läuft, halte ich für falsch, weil sie dem Körper nicht alle essentiellen Vitamine, Mineralstoffe, Eiweiße und Fette zuführt.

Bildquellen: PeterA, Tim Reckmann  / pixelio.de

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