Donnerstag, 16. April 2015

Direkt auf den Löffel - Marley Spoon

Im Gegenzug für diesen Artikel habe ich kostenlose Mahlzeiten von Marley Spoon erhalten. Was ich in diesem Artikel äußere, ist aber trotzdem meine eigene und ehrliche Meinung, die nicht durch Marley Spoon beeinflusst wurde.

Wer amerikanische Blogs verfolgt, kennt vielleicht schon Blue Apron, Cook Smarts oder wie sie alle heißen: Dienstleister, die Rezepte planen oder sogar Lebensmittel liefern. Das Ziel ist, dass man sich selbst nicht mehr so viele Gedanken über das Einkaufen oder das Planen von gesunden Mahlzeiten machen muss. Mit Marley Spoon ist dieser Trend jetzt auch nach Deutschland gelangt. Wie das bei Marley Spoon abläuft, möchte ich euch hier vorstellen.

Auswahl

Jede Woche werden auf der Internetseite von Marley Spoon verschiedene Rezepte veröffentlicht. Kunden können sich dann aussuchen, ob sie die Rezepte dieser Woche ausprobieren wollen. Minimum ist dabei, dass man sich mindestens vier Portionen liefern lässt (für jedes Rezept muss man sich dazu mindestens zwei Portionen liefern lassen). Außerdem kann man sich aussuchen, ob man sich das Essen mittwochs oder freitags jeweils von 8-12 Uhr liefern lassen will.

Lieferung

Geliefert werden alle Waren und Gewürze, die man für das jeweilige Essen braucht. Lediglich Basics wie Öl zum Anbraten, Salz, Pfeffer und Zucker, muss man zuhause haben. Milchprodukte, Fleisch und Fisch werden gekühlt geliefert. Obst, Gemüse und frische Kräuter werden nicht gekühlt, aber dank kurzer Transportwege ist das kein Problem. Die Waren sind laut Marley Spoon bis zu vier Tage im Kühlschrank haltbar. Besonders gut gefiel mir hier, dass die Verpackungen alle recyclebar sind. Die meisten Lebensmittel sind in Papiertüten eingepackt. Fleisch und Fisch werden mit recyclebaren Kühlelementen geliefert und sind zur Isolation in Schafwolle verpackt. Wer möchte, kann den Müll auch zu Marley Spoon zurücksenden.
Marley Spoon achtet darauf, bei der Auswahl der Lebensmittel ökologisch und saisonal zu arbeiten, eine artgerechte Haltung der Tiere zu garantieren und möglichst viele biologische Lebensmittel zu verwenden. Die Lebensmittel haben also schon eine hohe Qualität, was sich aber leider auch im vergleichsweise hohen Preis niederschlägt.

Zubereitung

Für jedes Gericht bekommt man eine eigene Tüte mit Lebensmitteln, sodass man ganz genau weiß, was für welches Gericht verwendet werden soll. Außerdem erhält man eine Rezeptkarte, auf der nicht nur die Geschichte hinter der Auswahl des Gerichts steht, sondern auch eine ausführliche Kochanleitung mit Bildern. Hier folgt allerdings schon mein nächster Kritikpunkt - die Reihenfolge der Rezepte ist manchmal etwas wirr. Z.B. könnte man ein Pesto sehr gut schon als erstes vorbereiten (um auch nicht in Zeitnot zu kommen), es wird aber erst als vorletzter Schritt gewählt.
Die Zubereitung der Gerichte ist zwar teilweise schon anspruchsvoll, dank der detaillierten Anleitung aber kein Problem. Ich bin teilweise an die Grenzen meiner Küche gestoßen, das liegt aber auch daran, dass ich nur eine sehr kleine Küche mit zwei Herdplatten, einem Mikrowellenofen und keiner vernünftigen Arbeitsfläche habe. Dadurch, dass ich die Rezepte etwas umgestellt habe (Reis schon am Tag vorher gekocht, Pesto einige Stunden früher vorbereitet etc.), war das aber insgesamt kein Problem.

Gerichte

Ich durfte drei Gerichte von Marley Spoon ausprobieren: Forelle in Kartoffelkruste, Spanferkel mit Walnusspesto und Okraschoteneintopf mit braunem Reis und Mangochutney.

Der Fisch hat mich sehr überrascht. Ich bin normalerweise kein großer Fischesser, aber durch die Kartoffelkruste hat mir das Gericht unglaublich gut geschmeckt. Auch die gebratene Sellerie als Beilage hätte ich nie gewählt - sie passte sich aber harmonisch in das Gericht ein und hat gar nicht so aufdringlich geschmeckt wie erwartet.

Das Spanferkel war mein absolutes Highlight. Ich bereite ja sehr selten selbst Fleisch zu und bin da dem entsprechend auch nicht sehr versiert. So leckeres Fleisch habe ich aber definitiv noch nie selbst gemacht (und ich weiß nicht, wann ich es das letzte Mal woanders so gut gegessen habe). Der Salat war für mich zu viel und ein bisschen zu Sellerie-lastig, aber Pesto und Fleisch waren definitiv Spitzenklasse.
Von dem letzten Gericht, dem Okraschoteneintopf, war ich hingegen etwas enttäuscht. Das Mango-Chutney war super lecker, aber der Eintopf hat einfach nur scharf geschmeckt. Ich konnte die einzelnen Gemüse-Arten nicht heraus schmecken und es war für mich auch so schon zu scharf zum essen.

Meine Meinung

Schade finde ich vor allem den hohen Preis der Gerichte. Zwei Portionen kosten bereits 19€, das ist normalerweise fast das Budget, mit dem ich eine ganze Woche für alle Mahlzeiten auskomme (allerdings verändert sich da anscheinend gerade einiges bei Marley Spoon). Auch die Tatsache, dass man immer nur zwei Portionen bestellen kann, ist zwar logistisch nachvollziehbar, für Singles aber ungeeignet. Auch mit der Auswahl der Gerichte bin ich nicht ganz zufrieden. Es gibt zwar immer Angaben, ob die Gerichte für Allergiker oder Vegetarier geeignet sind, wer jedoch komplett auf etwas verzichten will/muss, hat bei Marley Spoon nur eine relativ eingeschränkte Auswahl. Viele Gerichte sind auch sehr fettig und weisen hohe Kalorienzahlen auf. Hier besteht also noch Verbesserungspotential, was sich allerdings mit einer größeren Verbreitung von Marley Spoon von selbst ergeben könnte.
 Mir gefällt das Konzept von Marley Spoon wirklich gut. Ich habe den Luxus, dass ich genug Zeit habe, mich um gesunde Ernährung zu kümmern, aber das geht nicht jedem so. Mit Marley Spoon kann man diese Verantwortung getrost abgeben. Der Service funktioniert schnell und einwandfrei, außerdem steht immer eine Hotline zur Verfügung. Bei meiner Bestellung gab es einige Probleme, die jedoch schnell und sehr freundlich behoben wurden. Dadurch dass man sich die Rezepte aussuchen kann, kann man zudem auf seine persönlichen Vorlieben eingehen. Für einen kompletten Kochanfänger könnten die Gerichte teilweise schwierig (aber nicht unmöglich!) sein, wer jedoch schon ein bisschen geübter ist, kann durch Marley Spoon eine neue Herausforderung finden. Mir hat besonders gut gefallen, dass ich verschiedene Lebensmittel wie Kapern oder Okraschoten probieren konnte, was mir sonst nicht möglich gewesen wäre. Wer also seinen Horizont in Sachen Ernährung ein bisschen erweitern will, ist bei Marley Spoon genau richtig.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen