Samstag, 22. August 2015

Ein zweiter Geburtstag

Stellt euch vor, ihr habt eine Krankheit. Eine Krankheit, die so schlimm ist, dass sie eure Organe befällt. Und dann arbeitet eines eurer Organe so schwach, dass ihr nicht mehr sicher sein könnt, wie lang es überhaupt noch durchhält.
Wenn es sich bei diesem Organ um eure Nieren handelt, könnt ihr mit großen Einschränkungen noch weiter leben. Sollte es sich aber um euer Herz oder eure Lunge handeln, sieht es schon ganz anders aus. Wenn ihr in solch eine Situation kommt, müsst ihr eure ganze Hoffnung darauf setzen, dass rechtzeitig ein passender Organspender gefunden wird.

Organspende
In Deutschland gibt es 2014 1339 Menschen, die für eine Organspende in Frage gekommen wären. Davon waren aber gerade mal 864 als Organspender registriert. Das sind knapp 500 Organspenden, die nicht vollzogen werden konnten. Natürlich sind unter diesen 500 auch Menschen, bei denen aus medizinischen Gründen keine Organspende möglich gewesen wäre. Aber dennoch ist es eine große Zahl verpasster Chancen.

Es gibt zwei Arten der Organspende: Einmal die Lebendspende, wo eine Niere oder Teile der Leber übertragen werden können. Alle anderen Organspenden dürfen nur vorgenommen werden, wenn der Hirntod eingetreten ist, aber das Herz-Kreislauf-System noch aufrecht erhalten wird. Es gibt dabei keine Altersgrenze, entscheidend ist der allgemeine Gesundheitszustand der Organe, der vor der Spende überprüft wird. Die einzigen Ausschlusskriterien für eine Organspende sind eine akute Krebserkrankung oder eine Infektion mit HIV. Gespendet werden können grundsätzlich alle Organe, Hornhaut, Blutgefäße, Haut, Sehnen, Bänder und Knochen.

Der Hirntod, die Voraussetzung für eine Organspende, kann zum Beispiel nach einem Unfall oder einem Herzstillstand eintreten. Wird bei letzterem trotz Wiederbelebung das Gehirn zu lang nicht mit Sauerstoff versorgt, können irreparable Schäden auftreten. Bei den meisten Menschen tritt der Herzstillstand vor dem Hirntod auf, weswegen so wenig Menschen überhaupt für eine Organspende in Frage kommen. Der Hirntod wird von der Wissenschaft als sicheres Zeichen für den Tod des Menschen anerkannt, da es sich dabei um einen völligen Ausfall dessen handelt, was den Menschen ausmacht.
Für eine Organspende muss der Hirntod von zwei unabhängigen Medizinern bestätigt und über
längere Zeit beobachtet werden. Als nächstes kann der Organspender als solcher gemeldet werden. Mit einer Analyse des Bluts und der Gewebemerkmale wird bestimmt, wer für eine Spende in Frage kommt. Dann werden die Organe in einer Operation entnommen. Nach der Operation wird die Leiche in einem möglichst würdevollem Zustand den Angehörigen übergeben.
Die Deutsche Stiftung Organspende und die Stiftung Eurotransplant verteilen derweil die Organe in Deutschland und ganz Europa. Möglichst schnell wird jetzt das Organ an den Ort transportiert und dem Empfänger eingesetzt. Die Empfänger müssen zwar ihr Leben lang in Behandlung bleiben, können jedoch meist in ihren Alltag zurückkehren. Die Organspende ermöglicht ihnen einen zweiten Geburtstag.

Geburtstag
Natürlich ist Organspende ein heikles Thema, aber jeder von uns sollte sich Gedanken darüber machen. Stellt euch vor, ihr habt einen Unfall und eure Familien müssen plötzlich entscheiden, ob eure Organe gespendet werden sollen oder nicht. Die meisten haben nie über dieses Thema geredet, dem entsprechend wissen viele nicht, ob sie wirklich im Sinne ihres Angehörigen handeln oder nicht. Aber allein schon, weil die Familie in diesem Moment schon genug andere Probleme hat, finde ich es wichtig, dass man sich schon vorher mit dem Thema befasst und im Zweifelsfall auch eine Organspende von vornherein ablehnt.
Hier erhaltet ihr Informationen darüber, wie man einen Organspendeausweis erstellt. Auf diesem gibt es übrigens auch die Möglichkeit, eine Organspende abzulehnen. Wer einen Organspendeausweis erstellt und immer bei sich trägt, kann sicher gehen, dass seine Entscheidungen auch nach dem Tod berücksichtigt werden.
Ich selbst habe schon seit einigen Jahren einen Organspendeausweis, in dem ich einer Organspende mit bestimmten Einschränkungen zugestimmt habe. Ich bin Christin und glaube, dass ich meinen Körper nach meinem Tod nicht mehr brauche. Warum also eine leere Hülle zurücklassen, wenn ich damit Menschenleben retten kann? Jeder von uns kann vielleicht einmal eine Organspende benötigen. Und genauso hat jeder von uns die Möglichkeit, ein oder mehrere Leben durch eine Organspende zu retten. Ihr habt die Wahl. Trefft sie.

Bildquellen: Thorben Wengert,  Michael Bührke, gabi hamann  / pixelio.de

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