Sonntag, 21. Februar 2016

Wie werde ich ein "gesunder" Mensch?

In meinem realen Leben weiß kaum jemand von diesem Blog. Gelesen hat ihn tatsächlich noch niemand, den ich persönlich kenne. Warum? Weil es einige Artikel auf diesem Blog gibt, auf die ich nicht stolz sind. Der Grund dafür ist, dass sie eine Philosophie vertreten, auf die ich nicht stolz bin und die ich nicht mehr länger für gesund halte. Damals hingegen schien jene Philosophie für mich gesund - ich wollte nie wieder Süßigkeiten essen, nur noch Obst, Gemüse und andere unverarbeitete Produkte. Keine Nudeln, kein weißes Mehl oder gar Butter und co. Das ist sicherlich die Vorstellung von einem gesunden Lebensstil - allerdings nur, wenn man sie auch wirklich einhält.
Hier lag das Problem. Diese radikale Philosophie habe ich nie mehr als ein paar Tage, höchstens Wochen, durchgehalten. Dann folgte der Zusammenbruch, ich habe tonnenweise "verbotenes" Zeug in mich geschaufelt und hatte natürlich ein schlechtes Gewissen. Jetzt, wo ich einen wesentlich moderateren Lebensstil verfolge, fühle ich mich gesünder. Aber was heißt gesund überhaupt?

Laut WHO ist "Gesundheit [...] ein Zustand des vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlergehens und nicht nur das Fehlen von Krankheit oder Gebrechen". Meiner Meinung nach ist diese Definition sehr auf den momentanen Augenblick konzentriert. Ich kann auch jetzt glücklich mit meinen Freunden im Restaurant sitzen und fünf Burger essen und wäre gesund. Dass ich ein paar Stunden später mit Bauchweh im Bett läge, schließt das nicht ein.
Dabei denke ich, dass gerade dieser Vorsorge-Aspekt die Gesundheit ausmacht. In meiner Familie sind Übergewicht und daraus resultierende Stoffwechsel- und Herzkreislauf-Erkrankungen weit verbreitet. Nahe Verwandte von mir haben große Probleme mit dem Herzen, die sie schlimmstenfalls einige Jahre ihres Lebens berauben könnten. Mit dieser genetischen Vorbelastung will ich nicht einfach so leben. Ich möchte vielmehr mein bestes geben, um so viel wie möglich dagegen zu tun und mithilfe von gesunder Ernährung und Sport die Wahrscheinlichkeit um ein Schnippchen schlagen.

Zur Gesundheit gehört aber eben nicht nur der körperliche Aspekt, sondern auch der geistige. Wie schon zu Anfang gesagt, könnte ich zwar körperlich völlig gesund leben, aber ich wäre wohl nicht glücklich und zufrieden damit.
In der Zeit, wo ich nach Perfektion gestrebt habe, habe ich immer die Leute beneidet, die ohne jede Lüge behaupten konnten, dass sie Salat einem belegten Brötchen vorziehen oder sich mit nur einem Keks zufrieden geben. Heute bin ich selbst ein solcher Mensch geworden. Woran liegt das? Zum einen an der Zeit. Ich beschäftige mich jetzt schon seit über vier Jahren mit gesunder Ernährung und seitdem haben sich wohl meine Geschmacksnerven und Hirnzellen verändert. Zum anderen bin ich nicht mehr so streng mit mir. Je mehr ich mir erlaube, das zu essen, worauf ich Lust habe, desto mehr tendiere ich zu gesundem Essen. Ich habe mit der Zeit gelernt, meinen Körper einfach nur zu beobachten, ohne ein Urteil abzugeben. Das Ergebnis? Ich fühlte tatsächlich, was all die Gesundheits-Gurus predigten: Esse ich mehr Gemüse und andere gesunde Sachen, bin ich voll Energie und gut gelaunt. Esse ich hingegen viel Fett und ungesundes Zeug, fühle ich mich träge, schlafe schlecht und bin launisch.

Ich denke nicht, dass ich eine vollständige Definition für ein gesundes Leben geben kann. Das liegt zum einen auch daran, dass jeder das für sich selbst ausmachen muss. Für den einen gehört das Feierabendbier oder die Pommes jeden Freitag zum eigenen Glück dazu, während ich nicht auf meine tägliche Portion Süßkram pro Tag verzichten kann. Um jedoch die eigene Definition von Gesundheit zu finden, solltet ihr diese Regeln befolgen:
  • Fragt euch bei jedem Essen "Wie gut schmeckt es mir?" und erst als zweite Frage "Wie gut ist das für meinen Körper?". Dann findet ihr die Antwort auf die dritte Frage ("Wie gut könnte ich darauf verzichten?") ganz schnell. Genauso gilt das natürlich für Sport oder andere Angewohnheiten.
  • Übt, euren Körper ohne Urteil zu beobachten. Euer Körper leistet so viel für euch, er sollte nicht für Fehler verurteilt werden. Vielleicht fällt es euch leichter, wenn ihr euch erst einmal vorstellt, ihr wärt ein Reporter, der über die Vorgänge in eurem Körper berichtet. Was tut euch gut? Wonach fühlt ihr euch schlecht?
  • Habt Geduld. Gerade wenn man etwas im Leben verändern will, muss alles ganz schnell gehen und sofort funktionieren. So ist das aber nicht. Habt Geduld und denkt immer daran, dass ihr aus jedem "Fehler" lernen könnt. 
Ihr wisst sicherlich, wie ihr für das "Fehlen von Krankheiten oder Gebrechen" sorgen könnt. Mit diesen Strategien könnt ihr jedoch auch lernen, wie ihr zu einem "vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlergehen" kommt. Denn rein körperlich gesund zu sein reicht noch lange nicht aus.

Bildquellen: Photos via Visual Hunt

Kommentare:

  1. Mal wieder ein toller Beitrag :) Ganz meine Meinung, aber das weißt du ja.
    Das Streben nach Perfektion ist am Anfang zwar ganz nett, aber auf Dauer bringt es einem einfach nichts. Gut beschrieben.
    Liebe Grüße
    Alexandra

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  2. Du bringst es quasi auf den Punkt. Ich glaube auch, dass die meisten am Anfang nach Perfektion streben, weil sie klare Richtlinien brauchen, um einmal von dem "Müll" weg zu kommen. Quasi wie ein kalter Entzug. Dazu möchte man ja alles immer so schnell wie Möglich, der Mensch ist ja ungeduldig. Ich ja leider auch immer ;).
    Dabei wäre eine Schrittweise, nicht zu strenge Umstellung, für die meisten einfach viel besser um zu setzen denke ich. Man muss sich halt in Geduld üben :)

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