Sonntag, 17. Juli 2016

Selbstliebe-Sonntag: Positiver Stress

Für die meisten von uns ist Stress ein Wort, das sehr negativ behaftet ist. Wir verbinden damit zu wenig Zeit, Genervtheit und im schlimmsten Fall sogar Burnout. Doch eigentlich wurde Stress als neutrales Wort definiert - es bezeichnet eigentlich nur eine physische oder psychische Reaktion eines Menschens, um sich einer bestimmten Situation anzupassen. Stress muss jedoch nicht nur negativ sein. Er kann uns motivieren, unsere Kreativität anregen und uns durchhalten lassen. Um diese Art des positiven Stress zu markieren, spricht man heutzutage von Eustress, in Abgrenzung zum negativen Stress, dem Disstress.

Viele, die von Stress geplagt sind, wünschen sich ein Leben ganz ohne ihn. Aber in der Realität wäre das den meisten wohl ganz schnell zu langweilig. Uns würde die Motivation fehlen, überhaupt etwas zu tun. Deshalb ist Eustress durchaus erstrebenswert. Denn Stress wurde ursprünglich als Reaktion darauf von unserem Körper entwickelt, dass wir in bestimmten Situationen schnell auf eine Gefahr reagieren können. Dazu stößt unser Körper eine kleine Menge Adrenalin aus. Dieses Adrenalin stellt uns in Sekundenschnelle neue Energie zur Verfügung, macht uns fokussierter und motivierter. Allerdings ist diese  Reaktion von unserem Körper durchaus zeitlich begrenzt. Wir haben auf natürliche Weise etwa fünfzehn Minuten Zeit, um den Tiger zu besiegen oder dem Mammut davon zulaufen. Diese zeitliche Begrenzung ist auch eine ganz wesentliche Eigenschaft des Eustress. Im Gegensatz zum chronischen Stress, der sehr schnell als negativ empfunden wird (und sich auch so auf unseren Körper auswirkt), hat Eustress eine sehr starke zeitliche Begrenzung.

Wann tritt Eustress nun aber auf? Eustress tritt in den Situationen auf, wo wir schnell Leistung abrufen müssen, diese Herausforderung aber nicht als negativ empfinden. Das können zum Beispiel spannende Projekte auf der Arbeit sein, eine Achterbahnfahrt, Verliebtheit oder Sport. Wenn unser Körper uns dann durch die Eustress-Reaktion geholfen hat, die Herausforderung zu überwinden, fühlen wir uns sogar noch besser und unser Selbstvertrauen wird gestärkt, sodass wir uns der nächsten Herausforderung souveräner widmen werden. Ein weiterer positiver Nebeneffekt ist, dass durch Eustress das Immunsystem gestärkt wird.
Eustress kann uns auch zu einem so genannten "Flow-Moment" verhelfen. In einer solchen Situation nehmen wir nichts mehr außer unserer Aufgabe wahr und können ganz ungestört daran arbeiten. Zudem werden in einem Flow ungeahnte Kräfte in uns frei gesetzt, sei das nun die neue Energie bei Kilometer 35 des Marathons oder die Flut neuer Ideen in einem kreativen Projekt. Ein Flow wird umso wahrscheinlicher, wenn wir glauben, dass unser Tun eine positive Veränderung der Welt bewirkt. Interessanterweise wird ein Flow auch dann begünstigt, wenn wir eine hohe Selbstdisziplin besitzen oder aktiv prokrastinieren, da wir dann unsere Herausforderung verstärken. Menschen, die mit ihren Aufgaben bis zur letzten Sekunde warten, profitieren also stark vom Eustress.

Die Gefahr beim Eustress ist stets, dass er kippt und zum Disstress wird. Dies geschieht vor allem dann, wenn wir dem Eustress zu lang ausgesetzt sind, da unser Körper darauf angelegt ist, eine Schwieriegkeit schnell zu beseitigen. Die negativen Konsequenzen von Disstress sind uns allen bekannt: geschwächtes Immunsystem, Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems und der Psyche, Schlafstörungen, Schmerzen usw. Um das Gleichgewicht zwischen Disstress und Eustress zu wahren, müssen wir also darauf achten, dass wir dem Stress regelmäßig Entspannung entgegen setzen. Diese Entspannung kann beispielsweise durch Atemübungen, Meditation oder Autogenes Training entstehen, aber auch, indem wir uns der Stress-Situation entziehen, uns mit Freunden treffen oder einer anderen Tätigkeit nachgehen. Aber wir können auch ganz bewusst Disstress in Eustress umwandeln, indem wir unseren Blickwinkel ändern. Für mich ist es manchmal ziemlich anstrengend zu wissen, dass ich bis Dienstag noch den aktuellen Wochenrückblick schreiben muss oder dringend neue Beiträge für den Blog brauche. Doch statt mich davon stressen zu lassen, denke ich an eure lieben Kommentare oder die spannenden Themenfelder, die ich durch meine Posts entdecken kann. Das, kombiniert mit ausreichenden Phasen der Enspannung, ist wohl die beste Art und Weise, wie man mit Stress umgehen kann.

Bildquellen: pexels.com, visualhunt.com

Kommentare:

  1. Ich merke das auch oft, dass bestimmte Arten von Stress helfen mich zu motivieren. Stress der aus Dingen heraus entsteht, die ich irgendwie negativ assoziiere macht hingegen das Gegenteil von motivieren...

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    1. Da hast du recht. Für mich ist Stress auch nur in ganz bestimmten Momenten positiv. Stress, der mit Zeit- oder Leistungsdruck zusammenhängt, belastet mich hingegen immer.

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