Mittwoch, 27. Juli 2016

Sport ist mehr als verbrannte Kalorien

Seit etwa zwei Jahren besitze ich eine Pulsuhr, die ich regelmäßig benutze. Ich bin ein Statistik-Freak, weshalb es mir gefällt, wenn ich genau weiß, wie sich diese und jene Pulsrate anfühlt, wie lang ich trainiert habe und in welchen "Zonen" ich mich im Training pulsmäßig befunden habe. Die Pulsuhr teilt mir aber auch mit, wie viel Kalorien ich während eines Workouts verbrenne (berechnet durch meinen Puls, Alter, Gewicht und Größe). Während ich das auf der einen Seite sehr interessant finde, setzt es mich auf der anderen Seite auch unter Druck. Sollte ich vor einer Yoga-Einheit nicht noch ein HIIT-Training machen, um mehr Kalorien zu verbrennen? War das intensive Krafttraining doch nicht so anstrengend, wie es sich angefühlt hat?
Je länger ich über dieses Thema nachdachte, desto mehr wurde mir klar, dass ich Sport nicht einfach als Mittel zur Kalorienverbrennung ansehen darf. So hat es vielleicht bei mir angefangen, aber mittlerweile ist es so viel mehr als das.

Zum einen heißt eine niedrige Kalorienzahl nicht, dass ich ein schlechtes Workout hatte. Es kann sich um ein Workout gehandelt haben, das vor allem die kleinen Muskeln angesprochen hat, also beispielsweise Pilates oder Training für die Armmuskeln. Trotzdem ist es wichtig, diese Muskeln zu trainieren. Gerade die Rumpfmuskulatur ist wichtig, um im Alltag oder bei anderen Kraftübungen Halt zu geben. Die Arme sollten wiederum auch trainiert werden, um ein Gleichgewicht der Muskeln im Körper zu bewahren (sonst wird nämlich auch das Muskelwachstum an den großen Muskeln vermindert, aber das ist ein anderes Thema). Ich persönlich trainiere ja auch nicht für eine bestimmte Sportart, insofern ist es mir wichtig, dass alle Muskeln trainiert werden. Daher muss ich also auch den Kompromiss eingehen, dass einige Workouts vielleicht weniger Kalorien verbrennen und dafür umso wichtiger für den Muskelaufbau sind.

Muskelaufbau und Kalorienverbrennung sind aber nicht die einzigen Prozesse, die durch Sport in Gang gesetzt werden. Sport fördert auch generell den Stoffwechsel, regt das Immunsystem an, vermindert das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Verletzungen des Bewegungsapparats, stärkt die Knochen und sorgt für einen besseren Schlaf. Noch dazu hat Sport auch eine Menge psychologische Effekte: Er schafft ein besseres Körper- und Selbstbewusstsein, schüttet Glückshormone aus, senkt das Risiko für einige psychische Erkrankungen und baut Stress ab.
Ich persönlich muss aus medizinischer Sicht nicht abnehmen. Warum sollte ich mich dann also nur auf die Aspekte von Sport konzentrieren, die das Abnehmen fördern und konzentriere mich nicht auf die restlichen positiven gesundheitlichen Effekte?

Zu guter Letzt sollte Sport nie nur als Mittel zum Zweck gesehen werden. Das war am Anfang bei mir auch so, keine Frage, aber inzwischen sehe ich in Sport so viel mehr. Sport ist oft der einzige Moment des Tages, wo ich einfach abschalten kann und mich nur auf meinen Körper und das sein im "Hier und Jetzt" konzentriere. Und Sport macht mir persönlich am meisten Spaß, wenn er abwechslungsreich ist. Mal heißt das für mich, dass ich gern hochintensives Krafttraining mache oder eine Stunde lang Zumba tanze. Manchmal gehe ich aber auch lieber gemütlich Laufen oder mache eine Runde Yoga. Wichtig ist, dass ich mit Spaß dabei bin.

Die einfachste Lösung wäre vermutlich, dass ich die Pulsuhr einfach weglasse. Aber mittlerweile ist die Uhr dank ihrer Zeitfunktion auch ein guter Indikator dafür, wie viel ich mich in der Woche bewegt habe oder dank der Pulsanzeige, wie mein Körper gerade auf die neue Übung reagiert. Ich werde also vermutlich weiterhin die Pulsuhr behalten und lediglich versuchen, ein bisschen weniger auf die Kalorienzahl zu starren.

Bildquellen:  Visualhunt

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