Sonntag, 21. August 2016

Selbstliebe-Sonntag: You do you

In ein paar Wochen wird für mich die Uni wieder los gehen. Alltag, könnte man vermuten, immerhin ist es schon mein 7. Semester. Aber gleichzeitig wird für mich alles anders sein, denn ich bin dann wieder "Ersti" und darf endlich mit meinem Englisch-Studium anfangen.
Ich erinnere mich noch sehr gut an meine ersten Tage an der Uni, damals noch im Vorkurs Mathematik. Ich hatte mich sorgfältig zurecht gemacht, beobachtete die Leute um mich herum ganz genau und wenn man mich ansprach, versuchte ich erst mal unverbindlich zu antworten, um die Meinung der Leute auszuloten. Mit diesem Verhalten bin ich vermutlich nicht allein und statt des Uni-Beginns könnte man jeden Neuanfang einsetzen. Oft ist es so, dass wir gern in der Masse untertauchen und deshalb Eigenschaften von uns leugnen oder verbergen.

Beim Beginn dieses Wintersemesters wird es hoffentlich anders für mich werden. Denn ich habe vor allem in den Jahren des Studiums gemerkt, dass es mir mehr und mehr egal ist, was die Leute von mir denken. Natürlich ist es einfacher, wenn ich so tun kann, als würde ich zu allen dazu gehören oder das zumindest anstreben. Aber wenn ich ehrlich bin, habe ich daran keinen Spaß. Ich bin - vielleicht ein bisschen untypisch für mein Alter - nicht interessiert an langen Partys und übermäßigem Alkohol (Und damit will ich beides nicht schlecht machen, wenn es euch gefällt, macht weiter. Es ist lediglich nichts für mich). Viel lieber mache ich Sport, bin kreativ, koche gesund und lasse den Abend mit einer Serie oder einem guten Buch ausklingen. Ich ziehe mich nicht nach der neusten Mode an, sondern trage das, was mir gefällt oder an mir gut aussieht - auch wenn es mal ein ausgefallener Prinzessinenrock ist.
Wenn ihr ganz ehrlich zurückdenkt: Den meisten Spaß in eurem Leben  hattet ihr, wenn ihr genau das getan habt, worauf ihr Lust hattet und wo ihr euch nicht verstellen musstet.

Natürlich will ich euch nicht raten, dass ihr alle zu egozentrierten Einzelgängern werden sollt. Aber es gibt Menschen, die euch "trotzdem" mögen werden. Es ist schwer (wenn auch nicht unmöglich) Freunde zu finden, die alle Eigenschaften eines Menschen widerspiegeln. Aber das muss ja auch gar nicht sein. Ich habe gute Freunde, mit denen ich über das Schreiben diskutieren kann. Mit anderen kann ich stundenlang philosophieren und die nächsten teilen meine Leidenschaft für Serien wie Dr. Who oder GoT. Ich finde es sogar bereichernd, dass meine Freundeskreise nicht komplett deckungsgleich mit meinen Interessen sind.  Denn sonst würde ich wohl nie etwas Neues erfahren oder mich durch andere inspirieren lassen.
Wichtig ist, meiner Meinung nach, nur, dass eure Freunde euch irgendwie weiterbringen und nicht zurückwerfen. Keine platte Kritik, kein Lustig machen, kein "Verbieten". Vielmehr das gleichzeitige Existieren und Bereichern sollte das Ziel sein.

Es ist unglaublich schwer, sich aus alten Mustern zu lösen oder den Schritt ins kalte Wasser zu wagen. Für mich war dazu der Neuanfang an der Uni nötig (denn dort habe ich dann doch die besten Freunde gefunden, die ich je hatte). Aber es muss auch gar nicht so ein krasser Neuanfang sein. Vielleicht geht ihr mal in einen neuen Sportkurs, belegt einen Koch-Workshop oder besucht ein Treffen eines Schachclubs. Das muss keine Verpflichtung sein, sondern erst einmal ein einmaliges Schnupperangebot. Wichtig ist, dass ihr einen Wunsch von euch wählt, der tief in euch selbst entstanden ist. Im Leben geht nicht immer alles nach unseren Wünschen. Aber zwischen all den Verpflichtungen müssen wir trotzdem versuchen, unser eigenes Ding durchzuziehen, um Erfüllung zu finden.

Bildquellen: Stuck in Customs (CC BY-NC-SA), Medhi (CC BY) via VisualHunt

Kommentare:

  1. Ich versuche eigentlich nicht, unterzutauchen. Meist habe ich eher Angst, niemanden zu finden, der auf Dauer mit meinem wahren Ich klar kommen würde, sodass ich am liebsten ganz gezielt versuche, mich mit wenigen Leuten anzufreunden, aber dabei so zu sein, wie ich bin.

    Deine Einstellung zu Freundschaften kann ich daher voll nachvollziehen! Ich will mir nun auch mal ein neues Hobby im neuen Wohnort suchen, damit ich hier vielleicht auch mal Freunde vor Ort habe ;) Ich überlege gerade, ob Politik da nicht was sein könnte...

    Liebe Grüße

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    1. Das klingt auch nach einer guten Strategie. Ich denke, dass da auch jeder selbst finden muss, was zu ihm passt. Ich persönlich kann generell nicht so gut mit fremden Menschen umgehen, deshalb ist es für mich immer schwierig, gezielt Freunde zu suchen.
      Ich wünsche dir aber viel Spaß beim Ausprobieren an deinem neuen Wohnhort!

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