Sonntag, 11. September 2016

Warum ich Kalorien zählen nicht schlecht finde

Ich gebe zu, dass dieser Titel ein bisschen reißerisch gewählt ist. Ich hoffe, dass viele meiner Leser diesen Artikel aber trotzdem nicht überspringen oder ignorieren. Denn so eine kurze Überschrift kann nicht wiedergeben, was ich eigentlich mit dem Artikel aussagen will.

Kalorien zählen scheint das einfachste Prinzip zum Abnehmen zu sein - und auch das einzig wirksame. Denn Abnahme entsteht nun mal nur so, dass man mehr Kalorien verbraucht, als man aufnimmt (und genauso funktioniert andersherum natürlich die (Muskel-) Zunahme). Da scheint es nur naheliegend zu sein, dass man jede Kalorie, die man zu sich nimmt, genau notiert, um seine Abnahme steuern zu können. Und auch wenn das höchst effektiv ist und ich das selber mal gemacht habe: Mit einem gesunden Essverhalten hat das nichts zu tun und eine langfristige Abnahme ist damit nicht garantiert. Kalorien zählen als alltägliches Essverhalten finde ich jedenfalls Quatsch.

Es gibt jedoch einen Punkt, an dem ich "Kalorien zählen" nicht schlecht finde. Hier habe ich die Wörter jedoch in Anführungszeichen gesetzt, weil es sich um eine andere Art von Kalorien zählen handelt. Ich meine nicht unbedingt, dass man den Kaloriengehalt jeder Mahlzeit des Tages ausrechnen sollte. Aber es hilft, wenn man die Kaloriengehalte einzelner Mahlzeiten bzw. Lebensmittel kennt. Gerade wenn man sich noch nie mit Ernährung befasst hat, kann man nämlich schnell die Kalorienmenge eines Lebensmittels unterschätzen. Eine Handvoll M&Ms hat ca. 200 kcal, also zwei Äpfeln entsprechend? 100g Zimtcornflakes haben gute 400 kcal?
Selbst die Kalorienzahlen von gesunden Lebensmitteln haben mich teilweise überrascht. 100ml ach so gutes Olivenöl 850kcal? 100g Vollkornnudeln 350 kcal? Ich hatte keine Ahnung. Das Notieren und Ausrechnen der Kalorien meiner Mahlzeiten hat mir damals geholfen, eine Verhältnismäßigkeit zu finden. Wenn eine Handvoll M&Ms schon so viele Kalorien hat, esse ich lieber zwei Riegel Zartbitterschokolade, von der ich länger etwas habe. Wenn Öl so viele Kalorien hat, sollte ich vielleicht darauf achten, beim Braten nicht zu viel davon zu verwenden. Und im Zweifelsfall darf eine Mahlzeit immer viel Obst und Gemüse enthalten, das schön wenig Kalorien enthält.

Natürlich sollte man sich nicht nur auf Kalorien als einzige Kennzahl von Nahrungsmitteln verlassen. Kalorien sind nicht gleich zusammen gesetzt und werden vom Körper unterschiedlich verwertet. Wer wirklich detaillierte Aufschlüsse über seine Mahlzeiten haben will, dem lege ich den Cronometer ans Herz. Hier werden nämlich nicht nur Kalorien und Makronährstoffe, sondern auch sämtliche Vitamine, Mineralien und Spurenelemente einer Mahlzeit aufgeschlüsselt. Allerdings halte ich den Cronometer schon für ein Werkzeug für Fortgeschrittene. Für jemanden, der sich ganz neu mit Ernährung beschäftigt, können das zu viele Informationen auf einmal sein.
Hier liegt wiederum wieder der Vorteil des bloßen Kalorienzählens: Bei jeder Mahlzeit muss nur ein einziger Wert ausgerechnet werden. Mit der Zeit bekommt man dann ein Gefühl dafür, dass vor allem Lebensmittel mit hohem Fettanteil auch besonders viel Kalorien haben, Obst und Gemüse durch ihren hohen Wasseranteil eher weniger und Kohlenhydrate und Proteine sich irgendwo dazwischen ansiedeln. Von dem einfachen Ausrechnen des Kalorienwerts kann man sich also dann nach und nach in die Tiefen der Ernährungswissenschaft durchkämpfen.
Um noch ein letztes Mal auf den reißerischen Titel zu sprechen zu kommen: Kalorien zählen als Lebensstil halte ich für falsch. Kalorien zählen, um die Verhältnismäßigkeiten von Nahrung kennen zu lernen und als Einstieg in die Ernährungswissenschaft hingegen halte ich für ein sinnvolles Werkzeug - wenn es sparsam eingesetzt und mit einer gesunden Ernährung kombiniert wird.

Bildquellen: VisualHunt (Dominic Rooney / CC BY)

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