Sonntag, 9. Oktober 2016

Verlust

Seit ich die Todesnachricht aus meinem Freundeskreis erhielt, muss ich immer an eine Stelle aus dem Film "Die Geisha" denken. Sie lautet (ungefähr wiedergegeben, ich hatte keine Lust nur dafür den Film anzusehen):
Am Eingang des Tempels hat jemand ein Gedicht eingraviert, dessen Name "Verlust" lautet. Es besteht aus drei Worten. Doch der Dichter hat sie ausgemerzt. Verlust lässt sich mit Worten nicht beschreiben.
Jeder von uns hat schon einmal einen Verlust verschmerzt. Das fängt damit an, dass wir im Kindergarten unsere Lieblingspuppe oder das Spielzeugauto verloren haben. In der Schule haben wir vielleicht Freunde verloren, weil sie nicht mehrzu uns passten. Und je älter wir werden, desto mehr müssen wir uns mit Verlusten auseinandersetzen. Dazu gehört der Verlust von Würde und Selbstständigkeit, die wir bei unseren Eltern, Großeltern und anderen Verwandten beobachten müssen. Dazu gehören Verluste im Kampf gegen grausame Krankheiten. Und dazu gehört auch der Verlust des Lebens eines Menschen, der uns vielleicht nah stand.
Jeder verarbeitet so einen Verlust anders. Die einen schreien und fluchen, die nächsten weinen, die nächsten wiederum gehen still ihren Erinnerungen nach und andere suchen Trost bei Freunden und Familie.
Doch beinhaltet Verlust nur, dass wir etwas verloren haben? Natürlich fehlt da ein Mensch in unserer Mitte, doch gleichzeitig durfte ich den starken Zusammenhalt meiner Freunde erleben, schöne Erinnerungen hervorholen und Sensibilität und Mitgefühl von anderen Menschen erfahren.

Bei mir kommt noch dazu, dass ich aufgrund dieses Todesfalls meine Verbindung zum Leben viel stärker spüre. Ich nehme die wunderbar klirrende Kälte des Herbsts wahr, kann mich an den Farben meiner Kleidung erfreuen, genieße die Vorfreude auf die nächsten Monate. Ich kann Sport machen, ich kann leckeres Essen genießen, ich kann lachen, ich kann weinen, ich kann schreiben, basteln, kreativ sein, schlafen und träumen.
Diese Entscheidung mag vielleicht überraschend kommen, wo ich doch erst einmal eine Pause hier angekündigt hatte. Doch ich möchte "jetzt erst recht" meine Kraft in das stecken, was mir viel bedeutet. Das heißt nicht, dass ich nicht trauere und einen Verlust zu verarbeiten habe. Aber dies ist nicht der richtige Ort dafür. Es mag sein, dass meine Posts in den nächsten Wochen vielleicht nicht so fröhlich und spritzig wie sonst sind. Dafür bitte ich um Verständnis. Aber ich bitte auch um Verständnis dafür, dass meine Art, mit dem Verlust umzugehen, gerade ist, dass ich mich kopfüber ins Leben stürze.

Kommentare:

  1. Es freut mich, dass du für dich diese Art gefunden hast, mit dem Verlust umzugehen. Bei mir läuft das ähnlich ab und ich packe gern dann mein Leben richtig an, wenn ich einen Verlust erlitten habe. So kam es auch, dass die Trennung von meinem Exfreund meinem Blog frischen Schwung brachte, zum Beispiel.
    Aber bevor ich so mit der Trauer umgehen kann, kommt meist erst ein sprachloser Schockmoment und dann eine schmerzliche Heul-Phase, die manchmal nicht zu enden scheint. Dagegen hilft es dann echt nur, wenn ich mir eine Beschäftigung suche - und wenn es stupides Lernen für die Schule ist, was zwar dann wenig hilft, aber immerhin ablenkt.

    Also, ich wünsche dir nur das Beste für die kommende Zeit und ganz viel Stärke, um mit dem Schmerz umzugehen!

    Liebe Grüße

    AntwortenLöschen