Mittwoch, 2. November 2016

Ab wann ist "bio" wirklich bio?

So gern ich auch bei Alnatura, denn's und co. nach speziellen Zutaten suche, so selten kaufe ich dort tatsächlich ein. Für mich als Studentin sind diese Läden nämlich leider einfach unerschwinglich. Aber mittlerweile haben ja auch viele Supermärkte und sogar Discounter eigene Biomarken. Aber wie "bio" sind diese Bioprodukte denn tatsächlich und worauf sollte man achten?

Der Begriff "bio" ist in der EU geschützt. Alle Produkte, die mit diesem Begriff beworben werden, müssen den Standards des europäischen Bio-Siegels entsprechen, dieses Siegel jedoch nicht tragen. Allerdings garantiert dieses Biosiegel nur minimale Ansprüche: Die Zutaten müssen nur zu 95% aus ökologischer Herkunft sein. Produzierende Betriebe dürfen auch konventionelle Produkte anbauen. Die Zahl der erlaubten Hühner pro Hektar ist im Vergleich zu anderen Biosiegeln doppelt so groß. Auch das deutsche staatliche Bio-Siegel bewertet nur, ob die Produktion den ökologischen Standards der EU-Verordnung entspricht.
Nicht geschützt in Deutschland sind die Begriffe "aus kontrolliertem Anbau", "Naturkost" oder "organic". Wer also Produkte mit diesen Begriffen kauft, kann nicht sicher gehen, dass tatsächlich Bio-Produkte enthalten sind.

Um auf Nummer sicher zu gehen, sollte man sich deshalb auf andere Bio-Siegel verlassen. Ein Nachteil davon: Diese Bio-Siegel finden sich fast nie bei Supermarkt- oder Discounterprodukten, selbst bei den Biomarken. Ein Schelm, der Böses dabei denkt...
Die bekanntesten Bio-Siegel in Deutschland sind demeter, Bioland oder Naturland. Sie haben nicht nur strengere Vorschriften zum Anbau von Pflanzen und der Züchtung und Haltung von Tieren, sondern regeln auch streng, wie viele und welche Zusatzstoffe benutzt werden dürfen und inwiefern der gesamte Betrieb ökologische Landwirtschaft betreiben muss. Wer Lebensmittel mit einem solchen Siegel kauft, kann sichergehen, dass die Prinzipien einer ökologischen Landwirtschaft befolgt werden.

Dies bringt uns jedoch zu dem ursprünglichen Problem zurück. Wie bio sind die Bioprodukte in Supermärkten? Als ersten Schritt gilt es hier zunächst, das Bio-Siegel zu überprüfen. Hat das Produkt nur ein "Bio-Siegel" des Supermarkts oder ein EU-Siegel? Einige Supermärkte kooperieren mittlerweile sogar mit anderen Siegeln. So sind REWE-Bioprodukte auch mit dem Naturland-Siegel zertifiziert.
Wenn das Bioprodukt ein europäisches oder deutsches EU-Siegel hat, sollte man im nächsten Schritt die Herkunft kontrollieren. Bei Obst und Gemüse wird die meist schon angegeben. Für alle anderen Produkte lässt sich das Herkunftsland am Bio-Siegel ablesen, wie hier beschrieben. Auch bei Bio-Waren gilt leider, dass die ökologische Bedeutung leider schrumpft, wenn die Ware erst um die halbe Welt geflogen wurde. Bio-Obst aus Israel schädigt die Umwelt deutlich mehr als konventionelle Waren aus Deutschland.
Bei Waren, die das EU-Siegel tragen und nicht um die halbe Welt geflogen sind, greife ich persönlich dennoch zu. Sie erscheinen mir wie der beste Kompromiss. Letztlich darf man nämlich nicht vergessen, dass jeder Kauf eine Signalwirkung hat. Je mehr Bio-Waren verkauft werden, desto mehr werden diese auch produziert. Dann mag es zwar "gutes" und "sehr gutes" bio geben, aber auch "gutes bio" ist besser als konventionell. Und vielleicht wird "gutes bio" ja irgendwann auch "sehr gut".

Bildquellen: EU-Siegel: Von Dusan Milenkovic, europäische Kommission - http://ec.europa.eu/agriculture/organic/logo/uploads/pics/Logo1_pos_27.jpgZum Wettbewerb siehe http://ec.europa.eu/agriculture/organic/files/news/i10_Logo_de.pdf, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=46208019; Demeter-Siegel: Von Unbekannt - SVG erstellt mit Inkscape, Logo, https://de.wikipedia.org/w/index.php?curid=2543644

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