Sonntag, 20. November 2016

Selbstliebe-Sonntag: The perks of being an Abstainer

Ich würde nicht behaupten, dass das Buch "Better than Before" mein Leben verändert hat. Ich habe nur wenig neue Gewohnheiten in mein Leben integriert und noch weniger davon erfolgreich. Aber das Buch hat sich allein insofern für mich gelohnt, als dass ich viel über mich selbst gelernt habe. Unter anderem weiß ich nun, dass ich ein Abstainer bin. Das bedeutet, dass für mich immer "Alles oder nichts" gilt. Ich tue mich sehr schwer damit, irgendwo nur 75 oder 50% zu geben, ich will immer 100% erreichen. Das hat auf der einen Seite den Vorteil, dass ich sehr perfektionistisch arbeite und mich sehr gut auf etwas konzentrieren kann. Auf der anderen Seite habe ich aber auch das Problem, dass es mir sehr schwer fällt, mich mal in Mäßigung zu üben und etwas moderat nur nebenher laufen zu lassen.

Ich weiß nicht, ob wir grundlegend etwas daran ändern können, dass wir Abstainer oder Moderator sind. Ich für meinen Teil möchte das auch gar nicht. Mir fällt es beispielsweise sehr leicht, auf etwas zu verzichten - wenn ich denn vollständig darauf verzichte. Genauso kann ich mich total in etwas verbeißen und für eine Weile ganz darauf konzentrieren - aber in dieser Zeit schaffe ich dann eben nichts anderes. Insbesondere letzteres ist für mich meist frustrierend. Denn ein "erweitertes Multitasking" ist leider immer nötig: Ich konnte mich im Frühjahr nicht mit meiner Bachelor-Arbeit verkriechen und für ein paar Wochen nichts anderes tun. Ich hatte andere Veranstaltungen an der Uni, wollte mich mit Freunden treffen, Sport machen, kreativ sein... Das führt zweifelsohne dazu, dass man sich bestimmte Kategorien schaffen muss, in denen man dann durchpowern kann. Was man aber nicht vergessen darf: Eine große Kategorie muss auch "Pause" sein.

Der Arbeitsalltag in Deutschland beinhaltet oft einen Acht-Stunden-Tag. Oft diskutiert wird jedoch, ob das wirklich effektiv ist. Studien und Pilotversuche haben gezeigt, dass man mit kürzeren Arbeitszeiten oft weitaus effizienter ist. So wurde nicht bloß die Arbeit der zwei fehlenden Arbeitsstunden an einem Sechs-Stunden-Arbeitstag zusätzlich erledigt, sondern oft noch mehr als das doppelte. Ergo bringt es vermutlich gar nicht so viel, wenn man sich stundenlang in seine Arbeit eingräbt - denn auch Abstainer können sich nicht acht Stunden am Stück konzentrieren. Auch hier zeigt sich wieder, dass es deutlich sinnvoller ist, sich den Tag in Kategorien zu teilen - mit klar definierten Phasen, in denen man effizient arbeiten kann und Phasen, die als Pause gedacht sind.

Mir hat die Pomodoro-Technik sehr gut geholfen. Dafür formuliert man zunächst seine Arbeitsziele oder eine ToDo-Liste zum Abhaken. Dann arbeitet man 25 Minuten konzentriert durch und hat dann 5 Minuten Pause. Nach vier Pomodori (also ca. zwei Stunden) ist dann eine längere Pause von etwa 15-20 Minuten dran. Die Pomodoro-Technik benutze ich persönlich vor allem zum Schreiben und Lernen. Wenn ich weiß, dass in absehbarer Zeit eine kurze Pause ist, kann ich mich viel besser konzentrieren, als wenn ich nur an all das denke, was ich noch erledigen muss. Andererseits ist mit Pomodoro natürlich auch Hardcore-Bügeln, -Putzen, -Aufräumen usw. möglich. Pomodoro-Timer gibt es mittlerweile zu Hauf im Internet oder als kostenlose Apps.

Bildquellen: Visualhunt.com (Pomodoro: psd CC BY)
 

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