Sonntag, 4. Dezember 2016

The power of napping

Sobald ich dem Alter entwachsen war, in dem man einen Mittagsschlaf machen musste, habe ich schlafen am Tag gehasst. Ich fühlte mich danach nur noch müder als zuvor und hatte außerdem keine Lust, Zeit dafür zu verschwenden. In letzter Zeit habe ich mich jedoch mehr und mehr dem Powernap zugewendet. Das hat vielleicht damit zu tun, dass ich älter bin (schnell den Gedanken wegschieben...), vielleicht bekomme ich im Moment aber auch einfach zu wenig erholsamen Schlaf. Seit ich weiß, wie richtiges Powernappen geht, nehme ich mir jedenfalls öfter eine solche Pause und merke, dass ich danach konzentriert und wach bin.

Das wichtigste beim Powernappen ist, dass man nicht in die Tiefschlafphase eintritt. Deshalb sollte der Wecker nach spätestens dreißig Minuten klingeln. Tritt man in die Tiefschlafphase ein, fällt es einem deutlich schwerer, wieder aufzuwachen. Forscher sagen, dass man dann mit bis zu zwei Stunden Schlaftrunkenheit rechnen muss. Ideal für ein Powernap sind zehn Minuten. Allerdings ist das für viele die Zeit, die sie überhaupt zum Runterkommen benötigen. Deshalb sind etwa zwanzig Minuten wohl der beste Kompromiss. Übrigens gibt es eine zielsichere Methode, wie man den Eintritt in den Tiefschlaf vermeiden kann. Beim Einschlafen einfach einen Schlüssel in die Hand nehmen und locker vom Sofa o.ä. hängen lassen. Sobald man in die Tiefschlafphase kommt, entspannen sich die Muskeln im ganzen Körper und der Schlüssel fällt zu Boden.

Da man beim Powernappen nicht in die Tiefschlafphase eintritt, kann ein solcher Powernap auch keinen Nachtschlaf ersetzen. Denn erst in der Tiefschlafphase werden regenerative Prozesse im Körper angeleitet und das Erlernte wandert vom Kurzzeitgedächtnis ins Langzeitgedächtnis. Wer letzteres nutzen möchte, sollte sich etwa eine Stunde Zeit zum Schlafen nehmen, wird danach aber auch nicht sofort voll leistungsfähig sein.
Nichtsdestotrotz hat Powernapping viele gesundheitliche Vorteile. Powernaps senken das Risiko für Herzkreislauferkrankungen nachweislich. Andere Vorteile, die genannt werden, sind Stressreduktion, ein geringeres Diabetes-Risiko, Stimmungshebung und eine Steigerung der Konzentration. Besonders letzteres kann vielen kleinen Unfällen und Flüchtigkeitsfehlern vorbeugen. In den USA und Asien sind Powernaps übrigens genau deshalb weitverbreitet und akzeptiert. Mittlerweile gibt es auch immer mehr deutsche Firmen, die Ruheräume einrichten.

Die Frage ist nur, wie man es schafft in zehn bis zwanzig Minuten einzuschlafen. Ich persönlich schaffe das vermutlich nicht einmal abends und erst recht nicht mit dem Druck, dass der Wecker mich ja schon bald wieder aus dem Schlaf reißt. Für den Anfang genügt es jedoch, wenn man sich erst einmal an Ruhezeiten gewöhnt. Nach ein paar Minuten Meditation, Musik hören oder Dösen fühlt man sich trotzdem meistens erfrischt und ausgeruht. Mit der Zeit wird der Körper lernen, in diesen Ruhezeiten schnell runterzuschalten und dann einzuschlafen.
Wichtig zum Erlernen des Powernappings ist übrigens auch, dass man sofort nach dem Klingeln des Weckers aufsteht (ich lege z.B. mein Handy immer so weit weg, dass ich aufstehen muss, um den Wecker auszustellen). Um jetzt die letzte Müdigkeit zu vertreiben, kann man mit ein paar Kniebeugen o.ä. den Kreislauf in Schwung bringen, sich kaltes Wasser ins Gesicht spritzen und hellem Licht aussetzen. So lernt der Körper, dass er nach der Ruhezeit auch wieder voll aktiv sein muss. Wer Kaffee mag, kann sich hier eines kleinen Tricks bedienen: Wenn der Kaffee direkt vor dem Powernap getrunken wird, ist man durch den einsetzenden Koffeinschub automatisch nach 20-30 Minuten wach und erfrischt.

Bildquellen: VisualHunt.com, pexels.com/

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