Sonntag, 8. Januar 2017

Feminismus und "Healthy Living"

In letzter Zeit beschäftige ich mich immer mehr mit dem Thema Emanzipation und Feminismus. Ich möchte jetzt auf Details gar nicht eingehen, werde diesen Artikel nicht gendern und auch nicht auf eine Frauenquote eingehen. Dennoch finde ich es wichtig, hier mal über das Thema zu sprechen, denn in der Healthy-Living-Szene scheint die Emanzipation teilweise noch nicht angekommen zu sein.

Viele Blogger fahren nämlich immer noch voll auf dem Beute-Schema mit. Da sollen Frauen entweder durch Sport und gesunde Ernährung abnehmen, um möglichst attraktiv zu sein oder ihre Kurven trainieren, um sinnlich und weiblich zu wirken (über das Thema des wortwörtlich starken Mannes könnte ich hier auch ewig sinnieren - aber nicht jetzt). Es werden Pülverchen und Tees verkauft, mit denen der Stoffwechsel angekurbelt wird oder besondere Wäsche, die überschüssige Pfunde wegmogelt.
Natürlich stimme ich dem zu, dass es tatsächlich auch dem eigenen Selbstbewusstsein hilft, wenn man zufrieden mit dem eigenen Aussehen ist. Aber bei den meisten habe ich das Gefühl, dass es dennoch nur darum geht, die (insbesondere männliche) Außenwelt zu beeindrucken. Mal ganz abgesehen davon, dass unser Idealbild einer Frau ja leider aus einer paternalistischen Perspektive stammt.

Etwa bis zum Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts war die gewünschte Frauenfigur etwas, was wir heute als übergewichtig bezeichnen würden. Der wohlbekannte Grund dafür war, dass diese Üppigkeit Wohlstand repräsentierte - diese Frauen hatten genug Geld, um sich die Menge an Essen zu leisten, die zu einer solchen Figur führten. Spätestens seit den Sechzigern ist jedoch ein völlig unrealistisches Frauenbild in: Frauen sollen große Brüste und einen runden Po haben. Gleichzeitig soll die Taille möglichst schmal sein, so wie der restliche Körper - am besten mit Thigh oder Bikini gap. Unrealistisch ist diese Figur, da Brüste und Po nun mal unter anderem aus Fett bestehen. Wer nicht künstlich nachhilft oder besonders gute Gene für die Fettablagerung hat, kann dieses Ideal kaum erreichen. Und Wunder über Wunder - die prominenten Merkmale einer Frau sollen ausgerechnet die sekundären Geschlechtsmerkmale sein. Da bleibt ja kaum ein Zweifel daran, von wem dieses Ideal kommt.

Das schlägt sich jedenfalls auch in den Motivationssprüchen und Memes nieder. Armer Ryan
Gosling, der für so viele "Hey Girl"-Memes missbraucht wird. Überspitzt gesagt fordern diese Sprüche jede Frau auf, sich für ihren Mann bzw. die Männer runterzuhungern und gleichzeitig mit Sport ihre Kurven zu bewahren. Auch wenn ich jedem freistellen möchte, für welchen "Lebensweg" er sich entscheidet, glaube ich, dass hier die falsche Motivation hintersteckt. Denn die Männerwelt wird nicht auf einmal applaudierend auf die Knie fallen, wenn man sein Ideal erreicht hat. Ich gebe zu, dass ich in meinen dünnsten Zeiten wohl am meisten Aufmerksamkeit von der Männerwelt erhalten habe -allerdings war ich da auch ziemlich selbstbewusst und scheinbar zufrieden mit mir. Wer weiß, woran es wirklich lag.
Trainiert und esst jedenfalls, wie ihr wollt - aber denkt darüber nach, wofür ihr es tut. Stichwort extrinsische und intrinsische Motivation: Letztere ist oft weitaus schwieriger aufzubauen, dafür aber viel langlebiger und mächtiger. Strengt euch nicht für "die Männer" an, sondern für eure eigene Zufriedenheit und Gesundheit.

Bildquelle: Oberes Bild: picjumbo.com; Mittleres Bild: Helga Weber via VisualHunt / CC BY-ND; Unteres Bild: Carrie_Baughcum via Visualhunt / CC BY

Kommentare:

  1. Hab ich gar nichts zuzufügen, möchte mit diesem Kommentar nur meine Zustimmung ausdrücken ;)

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  2. Das ist so oft ein Problem, wenn ich von Mädels höre, dass sie sich zu fett für die Männer finden und denken, dass sie so wie sie jetzt sind, nie einen Typen abbekommen, der so ist, wie sie es sich wünschen.
    Ich finde das Ganze ist insgesamt jedoch ein sehr sehr komplexes Thema. Zum einen finde ich Oberflächlichkeit nicht schlimm, denn wir suchen uns nunmal instinktiv einen Fortpflanzungspartner mit den bestmöglichen Genen für unsere Nachkommen aus (allerdings muss man hier zwischen instinktiver Oberflächlichkeit und durch die Medien erzeugter Oberflächlichkeit unterscheiden). - Große Brüste, kurviges Gesäß/Hüfte wird ja auch mit hoher Fruchtbarkeit assoziiert, was wieder Sinn macht (die dünne Taille hingegen glaube ich eher nicht).
    Dann ist auch wieder die Frage wo man die Grenze zieht zwischen dem, was man für Partner tut und was nicht. In unserer Gesellschaft ist es angemessen sich sauber, nicht unangenehm riechend etc. zu geben. Das ist akzeptiert. Kosmetikartikel regelmäßig - sogar täglich - (ja auch Duschgel) zu gebrauchen, was die Hautbarriere stört, um angenehm zu riechen ist oft gut und sinnvoll, sich an bestimmte Diäten oder Sportprogramme zu halten um einem Idealbild zu erreichen, wird oft als nicht gut angesehen. (Da die Haut unser größtes Organ und wichtige Schutzbarriere und Vitamin D 'Hersteller' ist, ist das meiner Meinung nach genauso, wenn nicht schädlicher, als der Fitnesswahn).

    Versteh mich nicht falsch, ich stimme dir voll und ganz zu, dass man alles, was man tut, in erster Linie bzw. eigentlich nur für sich tun sollte. Wenn man sich eher nicht danach fühlt unrealistische Idealbilder zu verkörpern, wird man ja auch eher genetisch passende Partner mit vermutlich gleicher Meinung anziehen, wodurch die Kinder wiederum gesund werden (vorausgesetzt man möchte Kinder).

    Danke für den Gedankenanregenden Post :)

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