Sonntag, 9. April 2017

Jeder wird hier zum Mann - sogar du! Frauen in der Fitnesswelt

Erst mal gibt es eine Runde Gummipunkte für die Leute, die das Zitat erkannt haben - Mulan gehört einfach zu meinen absolut liebsten Disneyfilmen. Ich kann euch gar nicht so recht sagen, woher diese Begeisterung ursprünglich kam. Inzwischen mag ich Mulan aber unter anderem deshalb, weil sie in eine Männerdomäne einbricht, ohne sich über die Tragweite ihrer Handlung bewusst zu sein. Ohne sich große Gedanken zu machen tritt sie den Soldaten bei, die damals wie heute wohl als Archetypus des archaischen Mannesbild gelten. Und auch wenn sich Mulan anfangs schwer tut - letztlich schafft sie es ihre körperlichen Fähigkeiten den Männern weitestgehend anzupassen (wir reden jetzt nicht davon, dass sie diese Karriere am Ende für die Hochzeit mit dem asiatische Prinz Charming aufgibt).

Was ich mit dieser langatmigen Einführung sagen will: Letztlich gibt es keinen Grund, warum wir Frauen nicht dasselbe leisten sollten wie Männer. Natürlich wird ein Mann biologisch gesehen beim Sport immer den Vorteil haben, dass Männer genetisch bedingt mehr Muskelmasse haben und aufbauen können. Nichtsdestotrotz gibt es keinen Grund, dass sich die Trainingsarten von Männern und Frauen unterscheiden müssen.
Die Realität sieht mal wieder ganz anders aus. Männer arbeiten mit schweren Hanteln und dominieren die Kraftmaschinen, an denen sie sich gegenseitig mit Gewicht übertrumpfen. Frauen machen Yoga, Pilates und Zumba und dürfen dabei vielleicht mal die bunten Leichtgewicht-Hanteln angucken - nicht mehr, sonst bekommen sie Schwarzenegger-Arme. Das mag jetzt vielleicht überspitzt und klischeehaft klingen, doch den wahren Kern beobachte ich seit fast zwei Jahren im Fitness-Studio mit zunehmender Wut.

Natürlich beginnt dieser Kreislauf mal wieder mit den Vorschriften, die unsere Gesellschaft uns zu unserem Aussehen macht. Männer dürfen wahre Muskelberge aufbauen, ja, eigentlich ist kein Mann ein richtiger Mann, der nicht über ein Sixpack verfügt und mit seinen riesigen Oberarmen in kein Hemd passt. Frauen, auf der anderen Seite, sollen vor allem schlank sein und ihre natürlichen Kurven dabei behalten (auch so ein Thema, das ich dieses Mal nicht ansprechen möchte). Ein Frauenkörper darf Muskeln andeuten - aber mehr auch bitte nicht.
Um einen solchen Körper zu erreichen, ist die Aufteilung der Sportarten tatsächlich sinnvoll, so wie ich sie oben beschrieben habe: Intensives Krafttraining bringt Männern die gewünschte Muskelmasse, ein schlanker Körper mit leicht definierten Muskeln entsteht eher durch viel Cardio und etwas leichtem Krafttraining.

Es gibt sicherlich Frauen, die völlig damit zufrieden sind, nur Cardio zu machen und ab und zu in den Bunte-Hantel-Kurs zu gehen. Diese will ich auch gar nicht angreifen, denn letztlich ist das wichtige beim Sport ja, dass man in Bewegung bleibt und Spaß hat.
Ich wünsche mir viel mehr auch eine Akzeptanz für das Gegenteil. Ich möchte nicht von Männern überrascht angeguckt werden, weil ich lieber zur großen Langhantel greife. Ich möchte nicht das Gefühl haben, dass Frauen mich komisch angucken, weil ich lieber ordentlich Muskeln aufbaue, statt Stunden auf dem Laufband zu verbringen.
Jedes Körperbild ist letztlich in Ordnung, so lange es dem Körper keinen Schaden zufügt. Dazu gehören auch muskulöse Frauenkörper. Ja, Frauenkörper. Denn zum Mann wird eine Frau durch Krafttraining mit Sicherheit nicht.

Ist euch schon mal etwas Ähnliches im Fitnessstudio begegnet? Wie sieht euer Körperideal aus?

Photo credit: Your Mildura Lifestyle via VisualHunt.com /  CC BY

Kommentare:

  1. Da bin ich ganz froh über unser Fitnessstudio. Hier gehören die Trainingspläne einfach dazu und wir Frauen bekommen da nichts anderes, als die Männer :) Bzw. die Männer bekommen zum Einstieg genau die gleichen "Frauengeräte", da diese eigentlich nicht unbedingt schlecht sind. Es kommt halt auf die Phase des Trainings und den Trainingsstatus an. Man sieht natürlich immer mal wieder Frauen, die dann doch Stunden aufm Crosstrainer stehen und danach kurz ein paar Bauchübungen machen, aber das sind die Ausnahmen. Genauso wie die Typen, die ausschließlich Oberkörper trainieren. Inzwischen machen die auch alle brav Beine ;)
    Die Kurse sind allerdings tatsächlich zu 90% nur von Frauen besucht... das ist schon interessant.

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    1. Ich bin ja nur selten in einem gemischten Fitness-Studio - und dann auch meistens für Kurse à la Zumba, die eh frauendominiert sind. Mich persönlich regt allerdings viel mehr auf, dass ich IMMER komisch angesehen werde, wenn ich sage, dass ich gerne Krafttraining mit schweren Geräten mache. Oder das Typen oft ganz erstaunt sind, dass bei solchen Workouts besser oder zumindest gleich gut bin. Natürlich spielen da die körperlichen Voraussetzungen eine Rolle. Aber ich möchte doch bitte schön noch selbst definieren, woran ich Spaß habe.

      Aber gut zu wissen, dass das offenbar nicht überall so ist :)

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