Mittwoch, 12. April 2017

Introvertiertheit - wenn Menschen anstregend werden

Ich finde Menschen anstrengend. So, da ist es raus. Und ich meine dieses Statement auch in seiner allumfassenden Generalisierung. Ich finde Menschen anstregend, auch Familienmitglieder, auch meinen Freund, auch andere Freunde. Noch anstrengender sind für mich Kommilitonen, meine Nachhilfeschüler oder Bekannte. Und am allerschlimmsten sind fremde Menschen.
Ich meine mit dem Satz auch nicht nur, dass die Leute mich nerven, weil sie nicht auf einer Wellenlänge mit mir sind. Sie strengen mich wirklich körperlich an. Ich kann mich schlechter konzentrieren, brauche mehr Schlaf und bin nicht so leistungsfähig wie sonst. Nach ein paar Tagen mit vielen Menschen möchte ich mich nur in meine Wohnung verkriechen und ein paar Wochen dort für mich allein bleiben.

Ich bin introvertiert - für mich war das eine wichtige Erkenntnis. Als Introvertierte bezeichnet man Menschen, die es Energie kostet, mit anderen Menschen zusammen zu sein - im Gegensatz zu Extrovertierten, die daraus ihre Energie ziehen und das Treffen mit anderen Menschen sogar brauchen. Introvertierte werden häufig als still oder zurückhaltend beschrieben, sind dabei jedoch nicht schüchtern. Viele Introvertierte können auch nicht jeden Tag zu sozialen Events gehen und sind schlecht darin, Freundschaften zu pflegen. Das liegt jedoch nicht an mangelndem Interesse, sondern viel mehr daran, dass sie im Kontakt mit anderen Menschen ständig Hemmungen überwinden müssen und sie das enorm anstrengt. Als Ausgleich brauchen Introvertierte viel Zeit für sich und ziehen sich gern an ruhige Orte zurück. Im sozialen Bereich suchen sie zwar durchaus den Kontakt zu anderen, fühlen sich auf riesigen Partys und in Menschenmassen jedoch nicht wohl und bevorzugen kleinere Gruppen.

Vielleicht habt ihr das alles schon einmal gehört und denkt euch, dass dieser Artikel euch kaum neues Wissen bringt. Ich möchte jedoch zusätzlich zu dem Wissen meine Erfahrungen mit euch teilen. Vielleicht findet ihr die ein oder andere Strategie, die ich für mich gefunden habe, hilfreich und könnt so besser mit eurer Introvertiertheit umgehen.
  • Plant euch Ruhezeiten ein. Ich weiß selbst, wie schwierig es auf großen Events ist, wenn man eigentlich nichts verpassen will. Doch für euer Wohlbefinden ist es wichtig, dass ihr euch diese Pausen nehmt und zugesteht. Ich stehe beispielsweise gern früher auf und mache eine Runde Sport - es kommt selten vor, dass ich dabei von anderen gestört werde. Manchmal hilft es auch, sich bewusst 10 Minuten in der Mittagszeit oder in einer Pause zu nehmen, um allein einen Gang runterzuschalten - schlimmstenfalls auf dem Klo, wenn das der einzige Ort ist, auf dem ihr allein seid.
  • Sucht euch extrovertierte Freunde. Das mag im ersten Moment kontraintuitiv sein, aber ich persönlich profitiere sehr davon. Mir wird nämlich die Last genommen, mich um regelmäßige Treffen kümmern zu müssen oder die Freundschaften zu pflegen. Wenn ich nicht den ersten Schritt tun muss, ist es für mich viel leichter, mit Menschen umzugehen. Allerdings...
  • Lernt, "nein" zu sagen. Ich hasse dieses Gefühl selbst: Für die ganze Woche steht ein tolles Programm, aber alles was ich will, ist, auf meinem Sofa zu liegen und Serien zu gucken. Da hilft nur auszusieben. Natürlich kann es manchmal wehtun, wenn man anderen absagen muss, aber dann muss man Priorisierungen lernen ("Diese Woche sage ich A für B ab, dafür nächstes mal dann anders herum."). Manchmal muss man vielleicht auch gar nicht alles absagen, sondern einfach nur weniger Zeit dort verbringen, also früher gehen oder später kommen.
  • Schafft euren "happy place". Bevor ich das Konzept der Intro-/Extrovertiertheit kennen gelernt habe, konnte ich einfach nicht verstehen, warum mich Kontakte mit Menschen so sehr anstrengen. Inzwischen achte ich darauf, anstrengende Kontakte mit Ruhe auszugleichen. Dabei weiß ich, dass das Fitness-Studio kein geeigneter Ort, ist, obwohl mir Sport grundsätzlich Spaß macht. Wirkliche Ruhe finde ich jedoch nur in meiner Wohnung, die ich mir genau zu diesem Zweck gemütlich eingerichtet habe.
  • Seid offen. Gerade extrovertierten Menschen fällt es häufig schwer zu verstehen, warum eine Situation so anstrengend ist. Seid offen zu den Menschen und erklärt ihnen, wie ihr euch fühlt. Meine Freunde wissen, dass ich sie sehr gern habe, aber es mir oft schwer fällt, Kontakt zu halten und mich für Treffen zu motivieren. Sie nehmen es mir nicht böse, wenn ich manchmal absage, wissen jedoch, dass sie mich nach drei Absagen hintereinander zum nächsten Treffen "zwingen" sollen.
Bildquellen: katiaromanova (CC BY-ND), quinn.anya (CC BY-SA)via Visual Hunt

1 Kommentar:

  1. Sehr schöner Post! :)
    Ich selbst bin auch introvertiert und ich glaube, dass viele von uns 'kleineren' Bloggern eher zu dieser Masse zählen. Im Netz kann man sich fernab anderer Menschen die Gedanken von der Seele schreiben ohne tatsächlich in dem Moment mit jemandem interagieren zu müssen.
    Ich plane mir grundsätzlich das Wochenende nach dem Training als Ruhe für mich ein. Zu seltenen Anlässen fällt das mal aus und ich merke jedes Mal wie sehr die kommende Woche darunter leidet. Manchmal jedoch habe ich doch spontan Lust auf einen Spaziergang mit einer Freundin aber das ist dann auch ganz spontan ;)

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