Sonntag, 7. Mai 2017

Intuitiv Essen - Fragen und Antworten nach drei Jahren

Fast drei Jahre ist es her, dass ich mir "Intuitives Essen" von Elyse Resch und Evelyn Tribole gekauft habe. Und auch auf die Gefahr hin, euch zu langweilen oder abgedroschene Phrasen zu schwingen - ich muss sagen, dass dieses B
uch mein Leben verändert hat.
Ich will euch nicht damit langweilen, euch zu schildern, wie meine Situation damals aussah und wie sie heute ist. Noch weniger möchte ich
die Prinzipien des Intuitiven Essens erneut mit euch durchkauen. Dieser Post ist tatsächlich für diejenigen von euch, die noch nicht den Mut aufgebracht haben, mit dem Intuitiven Essen zu beginnen, weil sie die Folgen fürchten. Hier kommen also die Antworten auf ein paar Fragen, die ich mir vor der Umstellung zum Intuitiven Essen gestellt habe.


Nimmt man durch das Intuitive Essen nicht stetig zu?


Ich habe definitiv mit dem Intuitiven Essen zugenommen. Mein Gewicht schwankte jedoch durch Phasen von strengen Diäten und Frustfressens in einem Bereich von 10 Kilo, wobei das niedrigste Gewicht schon im untergewichtigen Bereich war und ich mit dem höchsten Gewicht noch immer im Normalgewicht liege. In den letzten Jahren hat sich mein Gewicht in den oberen fünf Kilo dieses Bereichs eingependelt - dazu muss man jedoch auch sagen, dass ich seitdem deutlich mehr und intensieveren Kraftsport betreibe, einiges davon also durchaus Muskelmasse ist. Ich persönlich würde mich heute als schlank mit einigen Kurven und Muskeln bezeichnen und bin durchaus zufrieden mit meiner Figur. Ich bin zwar von meinem Figurideal entfernt, aber wer weiß, ob ich dieses Ideal überhaupt haben sollte. Mir ist es mein Spiegelbild aber auch überhaupt nicht mehr wert, dass ich mich beim Essen zurückhalte oder gar hungere. Wenn ich mit meinem Appetit mein jetziges Gewicht halten kann (übrigens: Keine Ahnung, wo das liegt, meine Waage ist seit Monaten verliehen und ich merke Gewichtsschwankungen nur an meinen Jeans), ist das wohl die Figur, mit der ich mich den Rest meines Lebens lang arrangieren sollte.

Ernährst du dich jetzt nur noch von Süßigkeiten und Fastfood?


Ich glaube, mittlerweile ernähre ich mich fast gesünder als vor den Zeiten des Intuitiven Essens. Damals gab es zwar auch viel gesundes Essen, aber eben zu wenig davon. Das führte dann zu regelrechten Fressattacken oder Emotional Eating, wo ich viel zuckerhaltiges, fettiges Zeug in mich hineingestopft habe.
Heutzutage ernähre ich mich tatsächlich zu 80% gesund. Die ungesunden 20% sind Ausnahmen, die ich sehr genieße. Diese Ausnahmen plane ich allerdings nie à la Cheatdays, sondern sie sind meist spontan. Außerdem verspüre ich kaum noch das Bedürfnis, mir Süßigkeiten oder Knabbereien selbst zu kaufen. Meist bekomme ich die Geschenk oder esse sie bei beziehungsweise mit anderen.
Ganz entscheidend zu diesem Essverhalten hat aber beigetragen, dass ich heutzutage weiß, dass ich theoretisch alles essen kann. Aber durch meine geschärfte Beobachtung während und nach dem Essen, haben viele Lebensmittel für mich ihren Reiz verloren. Heutzutage kann ich kaum noch nachvollziehen, wie ich es früher ausgehalten habe, mich so satt zu essen, dass mir noch Stunden danach unwohl oder gar übel war.

Hörst du wirklich immer dann auf zu essen, wenn du satt bist?


Ja und nein. Es gibt Tage, da höre ich in etwa dann auf, wenn ich merke, dass ich satt bin. Es gibt aber auch Tage, an denen ich bewusst mehr esse, als ich eigentlich Hunger habe. Das kommt jedoch immer seltener vor, weil ich mich immer schlechter fühle, wenn ich so etwas tue. Ich fühle mich einfach nicht mehr wohl dabei, wenn mein Magen furchtbar drückt und ich mich noch Stunden später träge und übervoll fühle. Außerdem merke ich mehr und mehr, dass mir das Essen einfach nicht mehr schmeckt, wenn ich schon satt bin. Teilweise wird mir sogar richtig gehend übel bei dem Gedanken, dass ich jetzt noch aufessen "muss", obwohl ich schon satt bin. 



Wie lang hat die Umstellung bei dir gedauert?


Tja, da kommen wir zur Krux. Ich würde tatsächlich sagen, dass ich mich seit dem ersten Lesen im Umstellungsprozess befinde. Am Anfang habe ich sehr aktiv darauf geachtet, mein Verhältnis zum Essen zu verändern und gleichzeitig auf die Signale meines Körpers zu achten. Das ist damals ziemlich schief gegangen. Eine Weile lang habe ich mich dann nur darauf konzentriert, mir Essen gänzlich zu erlauben und meine innere Essenspolizei aufzulösen. Nach und nach habe ich dann tatsächlich vergessen, meinen Körper genauer zu beobachten. Doch genau das hat mir immer wieder die überraschende Erkenntnis gebracht, wie sich "satt", "hungrig", "übervoll" und alles dazwischen anfühlt.
Uns wird so oft eingebläut, dass bestimmte Lebensmittel nicht gut oder gar verboten für uns sind. So ungeduldig man am Anfang auch ist, so sehr muss man bedenken, dass man diese jahrelange Indoktrinierung nicht sofort rückgängig machen kann. Wenn ich überlege, fing ich mit etwa zehn Jahren an, Lebensmittel in "gut" und "böse" einzuteilen. Als ich "Intuitiv Essen" las, war ich neunzehn - fast die Hälfte meines Lebens hatte ich mich damit beschäftigt, Lebensmittel in Schubladen zu stecken. Auch wenn es mir selbst lang vorkommt, sind die drei Jahre, seit ich mich intuitiv ernähre, ein ziemlich kurzer Zeitraum, um diesen Prozess umzukehren.

Allen, die sich mit dem Intuitiven Essen beschäftigen oder sich fragen, ob diese Lebensweise gut für sie sein kann, kann ich nur raten: Tut es. Doch erwartet keine zu schnell Erfolge. Die Umstellung zum Intuitiven Essen läuft in bestimmten Phasen ab (dazu werde ich auch noch mal bloggen) und einige davon sind verdammt hart. Aber es lohnt sich so sehr, Frieden mit dem eigenen Körper und Essen jeglicher Art zu machen, dass ich jedem nur empfehlen kann, sich durch die Frustration und Angst zu kämpfen!

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