Freitag, 5. Mai 2017

Nein, mir macht das Studium keinen Spaß

Das hätte ich am liebsten zu der Zahnarzthelferin gesagt, die mich neulich danach gefragt hat. Hab ich aber nicht, weil ich keine merkwürdige Anti-Small-Talk-Situation auslösen wollte. Doch der Gedanke hat mich nicht losgelassen und als Lexa kurz danach ihren zweiten Post zum Thema Studium losgelassen hat, merkte ich, dass auch ich dazu etwas zu sagen habe.

"Du wirst nie wieder so viel Freizeit haben wie im Studium" - "Das war die beste Zeit meines Lebens" - "Daran werde ich mich immer erinnern!"
So und so ähnlich lauteten die Sätze, die ich mir zu Beginn meines Studiums anhören durfte. Entsprechend waren meine Erwartungen, als ich begann - und wie das mit hohen Erwartungen nun mal so ist, wurde ich sofort enttäuscht. Für mich war das Studium keine Erfüllung. Vielleicht liegt es daran, dass ich mit Deutsch und Mathematik auf Lehramt anfing und schon immer eine gute Schülerin und ein interessierter Mensch war. Zumindest in Deutsch und den Bildungswissenschaften lernte ich praktisch nichts Neues, was andere in einer Vorlesung nicht lernten, hätte ich in der Hälfte der Zeit verstanden (Ich gehe jetzt nicht auf das Thema Mathematik und ich ein. Es hat seinen Grund, dass ich inzwischen bei Englisch bin und das liegt nicht etwa daran, dass ich hier auch unter Unterforderung gelitten hätte). Auch wenn ich mich in Englisch schon von vornherein auf diese Enttäuschung eingestellt hatte, wurde es leider nicht besser.
Studium kein Spaß

Zum Studium braucht es wohl einen großen Hang dazu, sich auf der einen Seite alles kleinteilig vorkauen zu lassen, alles auswendig zu lernen und dann punktuell in der Klausur wiederzugeben - das ist nicht meine Art von Lernen. Ich mag den direkten Austausch wie man ihn früher in Unterrichtsgesprächen und an der Uni in Seminaren hat. Nur dass die leider nur einen kleinen Teil meiner Module ausmachen (verständlich, wenn man sich die reine Logistik einer Universität ansieht). Genauso gerne mag ich es, mich in Hausarbeiten in ein Thema detailliert einzuarbeiten und zu untersuchen - durchaus mit kritischen Stellungnahmen.
Noch dazu kommt, dass ich mit dem Stresslevel an der Uni in keinster Weise zurechtkomme. Die reine Vorlesungszeit mag ich sehr gern, eben wegen solcher Präsenzphasen in Seminaren. Die hochstressigen Klausurphasen bringen mich jedes Mal an den Rand meiner Kräfte und die Ferien danach sind meist so lang, dass ich sie kaum sinnvoll nutze, weil ich ja noch ewig Zeit habe (und fertig von dem Stress davor bin).
Studium kein Spaß
Noch dazu bin ich einfach nicht der Typ, der sich hinter Theorien verstecken will. Das hätte ich nie gedacht, war ich doch in der Schule die unausgesprochene Streberin, die einen riesigen Wissensdurst hatte. Aber dieser Wissensdurst ist wohl eher praktischer Natur. Mich langweilt es jedenfalls, mich immer nur theoretisch mit etwas auseinanderzusetzen und selbst die Praxis nur stark reguliert zu betrachten.
Vermutlich wäre es für mich am sinnvollsten gewesen, ein Studium an einer FH mit höherem Praxisanteil zu machen oder gleich in ein Duales Studium zu gehen. Das ist für meinen Berufswunsch nur leider nicht möglich - schon als Jugendliche wollte ich Lehrerin werden.
Bis dahin habe ich noch etwa vier Jahre Studium vor mir, unterbrochen von einem Praxissemester (alle anderen Pflichtpraktika habe ich schon erledigt). Einige Überlebensstrategien für die Uni habe ich mir ja durchaus erworben, aber Spaß macht es mir trotzdem nicht. Ich glaube, dass ich definitiv glücklicher sein werde, wenn ich in dem Beruf arbeite, auf den ich mich schon so lange freue.

Vielleicht gibt dieser Post für den ein oder anderen von euch wenig Sinn, außer dass ihr mir mal beim Jammern zuhören könnt. Aber mir war es wichtig, diese Worte noch einmal zu verbreiten: Nein, ein Studium ist heute nicht mehr das, was es früher war.  Es ist stressig, übt enormen Druck aus und bietet kaum noch Freiheiten. Und deshalb dürft ihr ruhig das Studium nicht mögen und das auch so vor allen vertreten. Ihr dürft das Studienfach wechseln. Ihr dürft euch dazu entscheiden, das Studium einfach nur durchzuziehen und darauf zu hoffen, dass die "unvergesslichen Zeiten" erst später kommen.

Habt ihr ähnliche Erfahrungen gemacht? Oder erging es euch ganz anders?

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