Dienstag, 20. Juni 2017

Warum Intuitives Essen oft falsch verstanden wird

Als ich noch ganz am Anfang meines Wegs mit dem Intuitiven Essen war, hat dieses Konzept mir Angst gemacht. Ich kam gerade aus einer Phase, in der ich Essen nur in strikten Grenzen zulassen konnte. Jetzt mit dem Intuitiven Essen sollte ich plötzlich alles essen können, was ich wollte und auch noch so viel davon, wie ich wollte? Unvorstellbar und beängstigend - und leider auch falsch.

 

Essen so viel man will?


Intuitives Essen heißt nicht, dass man so viel essen darf, bis man platzt. Im Gegenteil. Intuitives Essen heißt, dass man sich mit den natürlichen Sättigungsgefühlen auseinandersetzt. Das kann am Anfang tatsächlich bedeuten, dass man sich mal überisst. Das ist okay, denn daran merkt man, wie unwohl man sich fühlt, wenn man isst ohne hungrig zu sein und der Magen sich unnatürlich voll anfühlt.
Langfristig hingegen sollte man sich an den Gedanken gewöhnen, dass die natürlichen Sättigungsgefähle das Ende einer Mahlzeit bestimmen. Wenn man langsam genug isst (eine Mahlzeit sollte dazu etwa zwanzig Minuten dauern), spürt man diese Sättigungsgefühle schon während des Essens. Ansonsten lernt man aber recht schnell, wie viel man essen muss, um satt zu sein. Es beginnt häufig damit, dass das Essen gar nicht mehr so gut schmeckt wie am Anfang der Mahlzeit. Nach und nach kommt ein Füllgefühl im Magen dazu und es wird anstrengend, weiter Essen zu sich zu nehmen. An dieser Stelle sollte man aufhören zu essen. Das heißt nicht, dass man nun bis zur nächsten Mahlzeit aushalten muss - die kann erfolgen, sobald man wieder Hunger verspürt. Aber für den Moment signalisiert der Körper mit dem Sättigungsgefühl, dass er erst einmal eine Pause zum Verdauen braucht.


Essen was man will?


Intuitives Essen bedeutet auch nicht, dass man alles essen kann, was man will. Allerdings ist es fast schon eine natürliche Reaktion eines Diät-Haltenden, dass man zunächst nur Süßigkeiten, Fast Food oder anderes, ungesundes Essen möchte.
Tatsächlich darf man dieses Essen gern am Anfang ausprobieren - allerdings unter der Bedingung, dass man es sehr genau und im Zweifel auch kritisch beurteilt. Eines meiner Gelüste waren Erdnuss-M&Ms - absolut tödlich bei einer Diät, aber unglaublich lecker. Aber was musste ich feststellen? So richtig gut schmeckten die Dinger nicht. Nur ziemlich süß und vielleicht ein bisschen nussig. Die Dinger verschwanden jedenfalls ziemlich schnell von meiner Liste.
Intuitiv Essen bedeutet, dass man alles essen darf - alles, worauf man gerade Lust hat, was einem gut schmeckt und gut tut. In meinem Fall hat das ziemlich schnell dazu geführt, dass ich  mich wieder auf meine altbekannten Mahlzeiten wie Porridge, Salate und Gemüsepfannen konzentriert habe. Einfach, weil ich mich danach am besten gefühlt habe. Natürlich gibt es bei mir immer wieder Gerichte, die vielleicht nicht 100% gesund sind, aber dafür sind es auch die Gerichte, die ich wirklich gern esse und die mir gut schmecken.


Intuitives Essen bedeutet Auseinandersetzung


Immer wenn man mit einem neuen Konzept anfängt, neigt man am Anfang zu Übertreibungen und Verallgemeinerungen. Deshalb ist es nur verständlich, dass es am Anfang vom Intuitiven Essen zu den oben beschriebenen Missverständnissen kommt.
Mir ist es an dieser Stelle jedoch wichtig zu betonen, dass das Intuitive Essen nicht heißt, dass man sich täglich am All-you-can-eat-Buffet vollstopfen kann. Es heißt viel mehr, dass man sich aktiv mit seinem Körper und seinen Gelüsten auseinandersetzt. Wann bin ich satt, wann bin ich hungrig? Die meisten von uns haben seit Jahren nicht mehr darüber nachgedacht, sondern befinden sich oft in einem Dauerzustand des ein oder anderen Extrems. Worauf habe ich gerade wirklich Lust und was schmeckt mir? Der Kopf hat nicht dieselben Gelüste wie unser Magen oder unsere Geschmacksnerven. Aber auch das auszuloten ist ein Prozess. Das Intuitive Essen bedeutet, dass man sich ganz aktiv mit dem auseinandersetzt, was man sich in den Mund schiebt. Das dauert am Anfang seine Zeit und läuft später automatisch ab. Aber es gehört zu den wichtigsten Bestandteilen dieser "Ernährungsform".

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