Sonntag, 25. Juni 2017

Selbstliebe-Sonntag: Von Rollen und Rollenwechseln

Wenn mein Leben ein Theaterstück wäre, bräuchte man zur Darstellung meiner Person vermutlich mehrere Schauspielerinnen, um zu verdeutlichen, wie viele Rollen ich eigentlich habe. Da wäre die Rolle der Studentin, die Rolle der (Nachhilfe-) Lehrerin, der Bloggerin, der Freundin, der Partnerin, der Tochter, der Kreativschaffende, der Stipendiatin...

Das Phänomen, dass wir im Leben verschiedene Rollen einnehmen, ist kein neues. Es ist sogar ganz normal, dass wir in verschiedenen Kontexten unterschiedliche Rollen einnehmen. Als Sprachwissenschaftlerin merke ich das immer zuerst daran, wie ich gerade spreche (linguistisch nennt man das auch "Register"): Als Bloggerin spreche ich von "Superfoods" und "Squat Jumps", während ich als Nachhilfe-Lehrerin häufig von der "Lese-Rechtschreib-Schwäche" oder "Eigenmotivation" spreche.
Solche Rollen haben durchaus nichts Schlechtes. Sie helfen uns, uns sicher in verschiedenen Kontexten zu bewegen und dabei nicht aufzufallen. Allerdings können sie auch Schwierigkeiten bringen, etwa wenn wir mit einer Situation konfrontiert werden, die ungewohnt für die derzeitige Rolle ist (beispielsweise wenn meine Eltern mich von der Nachhilfe abholen würden) oder wenn wir in eine Situation geraten, für die es noch keine feste Rolle gibt. An dieser Stelle ist dann Flexibilität und Anpassungsvermögen gefragt.


Ich persönlich muss gestehen, dass ich im Moment leichte Probleme mit meinen unterschiedlichen Rollen habe. Ich würde nicht sagen, dass ich zu viele Rollen habe - ich mag jede einzelne davon und es wäre wohl langweilig, wenn ich nur eine Auswahl dieser Rollen besetzen würde. Aber im Moment sind alle diese Rollen viel zu zeitraubend. Als gute Studentin muss ich aktuell lernen, um meine Klausuren zu bestehen. Das nimmt mir zusammen mit der Nachhilfe die Zeit, mich mit Herrn Kürbis und meinen Freunden zu treffen, ganz zu schweigen von meinen kreativen Projekten. Dazu kommt, dass ich eben auch noch bloggen will. Hätte der Tag 48 Stunden, wäre mir schon viel geholfen.
So hingegen muss ich ständig zwischen Rollen switchen und kann nicht jede Rolle zu 100% ausfüllen. Das wiederum bereitet mir ein schlechtes Gewissen, weil ich ja alle Rollen gern ausfüllen möchte...


Aber ich denke, dass das auch eine ganz wichtige Erkenntnis über Rollen ist: Letztlich sind wir eben nicht fünf verschiedene Menschen, sondern eine Person. Und die könnte auch in einem Theaterstück nicht gleich zehn verschiedene Rollen spielen. Es ist in Ordnung, wenn man mal eine Rolle nur zu 80% ausfüllt, weil eine andere Rolle eben gerade mehr Zeit verlangt. In diesem Sinne - habt Nachsicht mit mir, wenn das mit den Posts gerade vielleicht ein bisschen unvorhersehbar oder uninspirierter wird. Ich gebe mir größte Mühe. Aber jetzt gehe ich für meinen inneren Frieden besser Yoga machen, statt den nächsten Blogpost zu scshreiben.

Photo via Visualhunt

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